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Wer nicht haart, verfilzt

01.11.2012

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Gordon Hundesalon und Hundefriseur in Wiesbaden

Es wurde an alles gedacht. Der Anschaffung des neuen Hundes ging nicht nur eine intensive Studie über Aussehen, Größe, Gewicht, Farbe, Verhalten, Freundlichkeit, Vorlieben und mögliche Lebenszeit voraus. Nein, auch der Hundetrainer in Spe wurde beim Kauf zu Rate gezogen, die Erstausstattung für ein wohliges Behagen des neuen Freundes im Fachbedarf angeschafft, ein hübsches Halsband passend zur Fellfarbe gewählt, das beste Futter unter vielen heraus gesucht. Die Wohnung wurde hundesicher gemacht und der Familienrat ist längst auf die neue Situation eingeschworen worden: Wer erzieht, wer füttert, wer geht Gassi, wer übernimmt im Urlaub und was darf der Hund auf keinen Fall. Es wurde an alles gedacht.

Nun ist der Hund seit einigen Monaten im Haus. Alles hat sich soweit eingestellt und der Hund entzückt seine ganze Familie.

Dann passiert, was passieren muss: Was ist denn das unter dem Vorderbein? Ein Geschwür? Nein, es stellt sich heraus, es ist Filz.

Hat der Züchter nicht gesagt, der Hund macht bei der Fellpflege keine Arbeit? Oder hat er nur gesagt, der Hund haart nicht? Wie bekommt man das Ding dann weg und warum sitzen ähnliche „Geschwüre“ auch noch an beiden Hinterbeinen und komischerweise genau da, wo das Hundegeschirr sitzt?

Ein Plan muss her. Wird nun schnellstens eine Schermaschine angeschafft oder überlässt man das besser dem Hundefriseur, weil der Hund ja so wie so immer wegrennt, wenn man ihn bürsten will. Und wenn man ihn mal zum Bürsten gezwungen hat, jault er so stark, dass das Menschenherz weich wird und die böse Bürste ganz schnell verschwindet.

So geht das aber nicht weiter. Nicht ein ganzes Hundeleben. Es kann auch nicht sein, dass der arme Hund erst stark verfilzen muss, bis man sich der Fellpflege zuwendet. Eine Kahlrasur ist auch das denkbar Unschönste, was dem Hund passieren kann, oder will man als Mensch nackig auf die Straße gehen? Das ist sogar dem Hund peinlich und zieht auch einen Ratten- bzw. Hundeschwanz an gesundheitlichen Folgen nach sich. Kahlgeschorene Hunde frieren im Winter und bekommen im Zweifel Sonnenbrand im Sommer. Das gesamte Spektrum an Schutzfunktionen des Fells wird unwirksam.

Was hat es nun mit der Fellpflege auf sich? Ist das eine der neumodischen Dinge, die man heute tut, wie Hundeschule, persönlicher Hundetrainer, Hundepsychologe, Hundeernährungsberatung? Ja, das ist so. Weil wir mit all diesen neuen und weiterentwickelten Hilfestellungen ein weitaus angenehmeres Miteinander mit unseren Hunden haben und es in erster Linie ganz und gar dem Vierbeiner dienlich ist.

Ein Hund hat ein Recht auf gesundheitliches Wohlbefinden und optimale Haltungsbedingungen – dazu gehört auch ein rasse/ -hundegerechtes Aussehen. Der Zustand des Fells spiegelt die Gesundheit eines Tieres wider.

Haut und Haare bilden das Fell eines Hundes. Es ist das größte Organ seines Körpers und schützt ihn vor äußeren Einflüssen, wie Wasser, UV-Licht und Mikroorganismen. Darüber hinaus ist das Fell auch für die Temperatur- und Immunregulation sowie für die Speicherung von Wasser, Salzen, Fetten und die Sinneswahrnehmung zuständig.

Jeder Hund bedarf einer gewissen Fellpflege. Mehr oder weniger. Wer jedoch glaubt, mit einem kurzhaarigen Hund, wie einem Mops, Dalmatiner oder einer Englischen Bulldogge keine Arbeit mit der Fellpflege zu haben, weiß spätestens nach dem ersten Fellwechsel, dass dem nicht so ist. Die Haare rieseln, wie von einem Weihnachtsbaum nach den 3 Heiligen, und es kommt einem so vor, als höre das ein Leben lang nicht auf. Da hilft nur regelmäßiges Bürsten.

Da gibt es aber doch jetzt die Hunde, die nicht mehr haaren, da sie mit Pudeln gekreuzt werden. Endlich ein Durchbruch für alle Allergiker. Aber, Achtung, hier gilt:

Wer nicht haart, verfilzt.

Bei den meisten Rassen und Mischlingen kommt das dichte, mehrschichtige oder lange Fell vor. Deshalb ist hier die Pflege besonders wichtig. Das Haar neigt dazu, zu verfilzen. Dies kann zu Infektionen und Parasitenbefall führen, die oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Durch regelmäßige Pflege und sorgfältige Inspektion der Haut können bereits erste Anzeichen für Hauterkrankungen erkannt werden.

In der Zeit des Fellwechsels im Frühjahr und im Herbst ist eine Behandlung besonders wichtig. Die Fellpflege bewirkt, dass die Hautoberfläche belüftet wird und die Temperaturkontrollmechanismen wirksam bleiben. Da der Fellwechsel von der Tageslichtlänge gesteuert wird, können Hunde, die im Haus gehalten werden, ihr Fell das ganze Jahr hindurch verlieren, da sie dort wegen des künstlichen Lichts längeren Lichtperioden ausgesetzt sind.

Für das Baden eines Hundes gibt es verschiedene Gründe. Diese Art der Fellpflege dient der Reinigung und dem Entfernen abgestorbener Haare. Gleichzeitig werden Talg, Schuppen und Schmutz von der Hautoberfläche entfernt.

Außerdem hilft ein Bad intensive Eigen- und Fremdgerüche zu entfernen. Die Auffassung, mehr als ein bis zwei Bäder pro Jahr wäre schädlich für Haut und Haar hält sich hartnäckig. Dabei gilt bei einem gesunden Hund der Grundsatz: So oft wie erforderlich im Extremfall sogar täglich. Damit dies ohne Schaden für Haut und Haare bleibt, ist es entscheidend, den Hund mit professionellen Hundepflegemitteln zu shampoonieren und anschließend rückzufetten. Die Haut des Tieres ist dünner als die des Menschen. Sie hat weniger Schweißdrüsen und hat einen neutralen PH-Wert, besitzt also keinen Säureschutzmantel.

Fellpflege hat die Aufgabe, das Haut- und Haarkleid eines Tieres zu erhalten und zu verbessern, damit ein sicherer Schutz gegen Umwelteinflüsse gewährleistet und dadurch das rassespezifische Erscheinungsbild erhalten wird. Nicht zuletzt wird hierdurch die natürliche Veranlagung des Rudeltiers unterstützt, einen sozialen Kontakt zu seinem Halter bei der Fellpflege zu intensivieren. Vergessen Sie nicht ihren Hund nach der Fellpflege zu loben und zu belohnen.

Eine spielerische Fellpflege sollte bereits in den ersten Lebensmonaten regelmäßig erfolgen. Die fachgerechte Einweisung begleitend mit der Beratung der Pflegeausstattung erhalten Sie von einem guten Züchter, Hundesalon oder Fachhandel. Professionelle Hundesalons können Sie auch bei der unterjährigen Pflege unterstützen. Dennoch ist der Grundsatz der Regelmäßigkeit einzuhalten und nicht die meist unangenehme Schadensbehebung einmal im Jahr durch einen Hundesalon übernehmen zu lassen.

Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt zum Thema Fell muss bei der Auswahl eines Hundes mit bedacht werden. Nicht nur der Hund muss gepflegt werden sondern auch Ihre Wohnung und oder das Haus. Ein langhaariger Hund schleppt alles mit ins Haus, was seinem Fell in der Natur anhaften bleibt. Die nicht haarende Rasse impliziert zunächst den Wunsch nach einem sauberen zu Hause. Aber hier gilt wieder die Faustformel: Wer nicht haart, verfilzt und wer verfilzt, schleppt Unrat mit. Getrockneter Matsch wird zu Feinstaub und schmirgelt jedes schöne Parkett blind. Dem Hund zu Liebe sollten Sie sich darüber bewusst sein und eine intensive Pflege nach jedem Gassigang einplanen. Es wäre nicht fair, einen langhaarigen Hund aus häuslichen Hygienegründen kahl zu scheren anstatt in sauber zu halten. Der haarende Hund, dem zum Glück nichts im Fell hängen bleibt, da er in der Regel kurze Haare hat, bringt auch noch eine kleine Überraschung mit sich. Umso kürzer das natürliche Fell eines Hunde ist um so eher neigt der Hund zu Hautfett zu produziere als der langhaariger Hund, um sich vor Umwelteinflüssen zu schützen. Zusammen mit Staub und Eigengerüchen des Hundes, kann sich das zu einer schmierigen Schicht verwandelt, die sich in schwarzen Röllchen von den Händen rubbeln lässt und furchtbar stinkt. Das bekommen Sie aber durch regelmäßige Wäsche des Hundes mit hochwertigen Hundeshampoos und Rückfettungsprodukten recht einfach in den Griff.

Das alles soll nicht abschrecken: Wir unterziehen uns ja auch selbstverständlich einer gewissen täglichen Körperpflege und dürfen sie deshalb bei unseren Hunden nicht außer Acht lassen.