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Gordon fragt: Tierdermatolgin Dr. Kerstin Wildermuth

13.05.2013

Gordon: Wozu braucht man einen Tierdermatologen?

Dr. Wildermuth: Ungefähr 20-30% der Vorstellungsgründe beim Tierarzt haben mit der Haut zu tun. Probleme äußern sich dabei insbesondere in Form von Juckreiz (ständiges Kratzen, Beißen, Lecken), Ohrenentzündung, Entzündung der Haut oder Haarausfall. Hauterkrankungen können beim Hund sehr frustrierend sein, weil sie häufig chronisch sind. Ähnlich wie in der Humanmedizin gibt es auch in der Tiermedizin inzwischen Spezialisten für die verschiedenen Teilgebiete.

So gibt es auch in Deutschland Tierärzte, die sich im Rahmen einer mehrjährigen Ausbildung inklusive der Durchführung wissenschaftlicher Studien und Publikationen und abschließendem Examen auf Hauterkrankungen bei Tieren spezialisiert haben. Ein Tierdermatologe unterstützt den Haustierarzt bei der Diagnosestellung und Therapie von Hauterkrankungen, insbesondere wenn diese sehr komplex und langwierig sind.

Gordon: Was sind häufige Hauterkrankungen beim Hund?

Dr. Wildermuth: Das häufigste sind Allergien. Es gibt verschiedene Formen von Allergien, wie zum Beispiel eine Allergie gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilzsporen. Diese Art wird auch als Umweltallergie bezeichnet. Weitere Formen sind eine Allergie gegen Futterinhaltsstoffe oder eine Allergie gegen Flohbisse. Im Gegensatz zum Menschen äußern sich Allergien beim Hund nur selten durch Schnupfen und tränende Augen, sondern am häufigsten durch Entzündungen und Juckreiz der Haut und Ohren.
Des Weiteren können Veränderungen von Haut und Haaren aufgrund von Parasiten, Hautpilzen, hormonellen Erkrankungen oder Autoimmunerkrankungen bestehen. Oft leidet ein Hund an einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien oder Hefepilzen auf der Haut.

Gordon: Wie häufig soll ich meinen Hund baden?

Dr. Wildermuth: Diese Frage wird uns sehr häufig gestellt. Generell besteht immer die Annahme, dass man seinen Hund nicht baden sollte. Das stimmt zur Hälfte. Solange ein Hund ein gesunde Haut und ein gesundes Fell hat und eine regelmäßige Fellpflege durchgeführt wird, muss ein Hund nur selten gebadet werden. Generell empfehlen wir nicht öfter als einmal pro Woche (z.B. bei denen, die sich besonders häufig im Dreck suhlen). Bei einem Hund mit medizinischer Indikation ist das anders. Es gibt Fälle, in denen ein Hund mit einem medizinischen Shampoo gebadet werden muss und das kann je nach Indikation und Problem sogar öfter notwendig sein.

Gordon: Welches Shampoo ist das richtige für meinen Hund?

Dr. Wildermuth: Am besten ist ein speziell für Hunde hergestelltes Shampoo. Da der pH-Wert der Haut bei Hund und Mensch verschieden ist, sollte man nicht das eigene Haarshampoo nehmen. Hundeshampoos sind auf den pH-Wert der Haut des Hundes abgestimmt. Hat man kein Hundeshampoo zur Hand, aber das Baden ist unbedingt notwendig, kann man alternativ Babyshampoo verwenden.

Gordon: Wie oft muss man die Ohren reinigen?

Dr. Wildermuth: Einem gesunden Hund muss man die Ohren gar nicht reinigen. Ohrenschmalz wird nur in geringen Mengen produziert und während des kontinuierlichen Erneuerungsprozesses der Haut im Gehörgang mit nach außen transportiert. Ist die Schmalzproduktion sehr stark, kann dies in manchen Fällen ein Anzeichen für eine Ohrenentzündung sein. Dies sollte vom Tierarzt untersucht werden. In solchen Fällen wird ggf. (neben der Behandlung der Ohrenentzündung und ihrer Ursache) die regelmäßige Anwendung eines Ohrenreinigers empfohlen, da zu viel Schmalz den Gehörgang weiter irritieren kann.
Das gleiche gilt für das Auszupfen von Haaren aus dem Gehörgang. Bei Rassen mit starkem Haarwuchs in den Gehörgängen sollten die Haare nur dann entfernt werden, wenn der Hund an wiederkehrender Ohrenentzündung leidet und so die Behandlung erleichtert werden kann. Bei einem Hund mit gesunden Ohren sollten die Haare nicht gezupft werden, da dies eine Irritation im Gehörgang verursachen kann.

Gordon: Vielen Dank für die tollen Informationen, die ich an meine Freunde weiterreiche!

Frau Dr. med. vet Kerstin Wildermuth führt mit Ihrem Mann Brett E. Wildermuth DVM eine Praxis für Tierdermatologie in Wiesbaden-Nordenstadt (http://www.tierdermatologie-wildermuth.de/)